Auto / Reifengröße und Reifenkennzeichnungen richtig lesen
Die Reifengröße lässt sich an einer Seitenwandkennzeichnung wie P215/65R15 95H ablesen. Dabei steht 215 für die nominale Querschnittsbreite in Millimetern, 65 für das Höhen-Breiten-Verhältnis in Prozent, R für Radialbauweise, 15 für den Felgendurchmesser in Zoll und 95H für Last- und Geschwindigkeitsindex. Prüfen Sie vor dem Reifenkauf die Angaben am Fahrzeug und in der Betriebsanleitung, statt sich nur an den montierten Reifen zu orientieren.
P215/65R15 95H Schritt für Schritt lesen
Dies ist ein Beispiel für eine Pkw-Reifenkennzeichnung und keine Freigabe für Ihr Fahrzeug. Der erste Teil beschreibt Kategorie, Abmessungen und Bauweise; der letzte Teil die Last- und Geschwindigkeitsklassen.
| Zeichen | Bedeutung | Lesart des Beispiels |
|---|---|---|
| P | P-metrische Pkw-Reifengröße | Bezeichnet die Kategorie Passenger. Euro-metrische Größen können ohne Anfangsbuchstaben angegeben sein; das ist kein Mangel. |
| 215 | Nominale Querschnittsbreite | 215mm von einer Seitenwand zur anderen. Das ist nicht automatisch die Breite der Lauffläche mit Straßenkontakt. |
| 65 | Höhen-Breiten-Verhältnis | Die Querschnittshöhe beträgt 65% der Breite, nicht 65mm. |
| R | Radialbauweise | Beschreibt die Anordnung der inneren Kordlagen. An dieser Stelle bedeutet R weder Radius noch Geschwindigkeitsindex. |
| 15 | Nominaler Felgendurchmesser | Für eine 15-Zoll-Felge, nicht für einen Reifen mit 15 Zoll Außendurchmesser. |
| 95 | Lastindex | Entspricht unter festgelegten Bedingungen maximal 690kg pro Reifen, nicht 95kg. |
| H | Geschwindigkeitsindex | Klasse für 210km/h unter festgelegten Prüfbedingungen. Das erlaubt oder empfiehlt keine entsprechende Geschwindigkeit im Straßenverkehr. |
Weitere Präfixe sind LT für leichte Nutzfahrzeuge und T für temporäre Ersatzräder. Bei P-metrischen und Größen ohne Präfix können trotz gleicher Zahlen unterschiedliche Lastbedingungen gelten. Prüfen Sie deshalb auch die Buchstaben. Einzelheiten erläutert Bridgestones englischer Leitfaden zur Reifengröße.
Querschnittshöhe und Außendurchmesser berechnen
Das Verhältnis ergibt sich aus Querschnittshöhe geteilt durch Querschnittsbreite. Die nominale Höhe im Beispiel beträgt 215 × 0.65 = 139.75mm. Bei 225mm Breite und ebenfalls 65% wären es 146.25mm. Dasselbe Verhältnis bedeutet daher nicht dieselbe Höhe. Rechnungen und Grafik verwenden den Punkt als Dezimaltrennzeichen.
In der Grafik bezeichnet 215mm die Querschnittsbreite, 139.75mm die Höhe einer Seitenwand und 15in den Felgendurchmesser. Es handelt sich um eine schematische Erklärung, nicht um eine maßstäbliche Fertigungszeichnung. Der Felgendurchmesser bezieht sich auf den Wulstsitz; verwechseln Sie ihn nicht mit einer Messung über den äußeren Felgenrand.
Der theoretische Außendurchmesser beträgt 15 × 25.4 + 2 × 139.75 = 660.5mm. Es sind jedoch nominale Maße, keine direkte Angabe der tatsächlichen Abmessungen oder des Abrollumfangs unter Last. Die Rechnung erklärt die Kennzeichnung und ersetzt keine Freigabe für eine andere Reifengröße.
Grenzen von Last- und Geschwindigkeitsindex beachten
Die 690kg beim Lastindex 95 sind die maximale Tragfähigkeit eines einzelnen Reifens unter definierten Bedingungen. Viermal 690kg ergeben 2.760kg, aber weder das zulässige Gesamtgewicht noch eine zusätzliche Nutzlast des Fahrzeugs. Fahrzeug- und Achsgrenzen, Lastverteilung und Luftdruck müssen ebenfalls stimmen. Die Zuordnung zeigt Michelins englischer Leitfaden zu Last- und Geschwindigkeitsspezifikationen.
| Geschwindigkeitssymbol | Zugeordnete Geschwindigkeit |
|---|---|
| S | 180km/h |
| T | 190km/h |
| H | 210km/h |
| V | 240km/h |
Die Reihenfolge ist nicht einfach alphabetisch: H liegt zwischen U und V. Prüfbedingungen unterscheiden sich vom Straßenbetrieb; Verschleiß, Schäden und zu geringer Luftdruck dürfen nicht ignoriert werden. Auch Bridgestones englische Erklärung des Geschwindigkeitsindex warnt davor, ihn als empfohlene Fahrgeschwindigkeit zu verstehen. Ersatzreifen müssen die Vorgaben des Fahrzeugherstellers zu Last- und Geschwindigkeitsindex erfüllen.
Herstellungsdatum und Druckangaben lesen
Bei Reifen mit US-amerikanischer DOT-Kennzeichnung geben die letzten vier Ziffern der Reifenidentifikationsnummer (TIN, Tire Identification Number) Produktionswoche und Jahr an. 2525 bedeutet beispielsweise 25. Woche des Jahres 2025, nicht Monat oder Tag. Das Datum kann nur auf einer Seitenwand stehen. Prüfen Sie bei Bedarf die andere Seite, ohne unsicher unter das Fahrzeug zu kriechen; lassen Sie schwer zugängliche Angaben in einer Werkstatt kontrollieren.
Der maximale Seitenwanddruck, etwa MAX PRESS, ist nicht der empfohlene Fahrzeug-Reifendruck. Maßgeblich sind die kalten Solldrücke auf dem Fahrzeugaufkleber, häufig an der Fahrertür, oder in der Betriebsanleitung. Sie können vorne und hinten oder je nach Beladung abweichen. Kalt bedeutet, dass die Reifen nicht durch die Fahrt erwärmt sind; die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA beschreibt dies als mindestens drei Stunden ohne Fahrt.
Das Datum zeigt das Alter an und garantiert allein weder Restlebensdauer noch Sicherheit. Prüfen Sie auch Verschleiß, Risse, Beulen, Schäden und die Nutzungs- und Austauschhinweise des Herstellers. Siehe die englischen Reifensicherheitshinweise der NHTSA zu Datumscode und kaltem Reifendruck.
M+S, 3PMSF, XL und Montagerichtung
- M+S: Bedeutet Mud and Snow, also Matsch und Schnee. Die Kennzeichnung allein belegt keinen bestandenen zertifizierten Schneeleistungstest.
- 3PMSF: Steht für Three-Peak Mountain Snowflake und zeigt einen Berg mit drei Gipfeln und einer Schneeflocke. Es kennzeichnet die Erfüllung eines festgelegten Schneeleistungstests. Auch manche Ganzjahresreifen tragen es; es garantiert nicht sämtliche Eis-, Brems- und Wintereigenschaften. Michelins englischer Leitfaden zu Winterkennzeichnungen unterscheidet M+S vom geprüften 3PMSF.
- XL, Extra Load oder Reinforced: Bezeichnet eine verstärkte Ausführung für höhere Lasten. Prüfen Sie den geforderten Lastindex gemeinsam mit den Druckbedingungen. Solche Reifen erhöhen nicht die zulässige Nutzlast des Fahrzeugs.
- ROTATION-Pfeil: Gibt die vorgeschriebene Drehrichtung eines laufrichtungsgebundenen Reifens an.
- OUTSIDE und INSIDE: Bezeichnen Außen- und Innenseite eines asymmetrischen Reifens. Das ist etwas anderes als ein Drehrichtungspfeil; beachten Sie die Montageanleitung des Produkts.
Prüfreihenfolge vor dem Reifenwechsel
- Zuerst die Fahrzeugvorgaben suchen. Prüfen Sie Aufkleber und Anleitung auf Größen, freigegebene Alternativen und Unterschiede zwischen Vorder- und Hinterachse. Gehen Sie nicht automatisch von korrekten vorhandenen Reifen aus.
- Die vollständige Kennzeichnung vergleichen. Prüfen Sie Breite, Querschnittsverhältnis, Bauweise und Felgendurchmesser sowie Lastindex, Geschwindigkeitsindex und notwendige XL- oder andere Vorgaben.
- Rad- und Fahrzeugeignung bestätigen lassen. Gleicher Durchmesser garantiert weder passende Felgenbreite und Freigängigkeit noch ausreichende Tragfähigkeit. Lassen Sie vor Größenänderungen die Herstellerfreigabe und die Reifen-Rad-Kombination fachlich prüfen.
- Einsatz und Montage prüfen. Wählen Sie ein zu Jahreszeit und Klima passendes Produkt und beachten Sie Richtungs- und Asymmetriekennzeichnungen. Bei unterschiedlichen Achsgrößen oder Allradantrieb gelten zusätzlich die Herstellerhinweise zu Mischbereifung und Positionswechsel.
- Nach der Montage Druck und Zustand kontrollieren. Prüfen Sie die kalten Solldrücke. Bei einem Reifendruckkontrollsystem (TPMS) führen Sie erforderliches Zurücksetzen oder Anlernen gemäß Anleitung durch. Lassen Sie Vibrationen, Berührungen oder Warnleuchten untersuchen.


